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Microsofts Erfolg mit den Erfolgen - Teil 1

Warum das Achievement-System so beliebt ist? Es ist dieses Prinzip, das die kulturelle Entwicklung unserer Spezies erst ermöglicht hat: der Mensch als Jäger und Sammler – eine über Jahrtausende hinweg bewährte Überlebensstrategie, ohne die unsere heutige Zivilisation undenkbar wäre. Durch die Technisierung, die Marktwirtschaft und viele andere gesellschaftliche Errungenschaften traten diese Verhaltensweisen jedoch in den Hintergrund. Es schiene vermutlich auch unpassend, wenn wir – ausgerüstet mit Pfeil und Bogen – der innerstädtischen Taubenpopulation nachstellen würden. Gerade das Sammeln aber, blieb stark in unserer Psyche verankert: Briefmarken, Romane, kleine Figuren – wer von euch sammelt nichts, oder kennt nicht zumindest jemanden, der seine Regale mit Nippes vollstellt? 

Microsoft setzt auf Psychologie
So war es ein schlauer Schachzug von Microsoft, auf dieses einfache, aber wirkungsvolle, Prinzip zu bauen und Ende 2005 gemeinsam mit der Xbox 360 ein intelligentes Belohnungsprogramm in die Wohnzimmer vieler Spieler Einzug halten zu lassen, das gewohnte spielinterne Extras, wie Videos und Bonus-Games, um ein übergeordnetes Sammel-und-Bewertungssystem ergänzte. Die Achievements und der GamerScore entpuppten sich schon bald als Features, die den Spielern Anreiz zum Zocken boten und sie gleichzeitig enorm an die Konsole banden. „Anfangs etwas unsicher über die Reaktion der Gamer, waren wir positiv überrascht, als sich das System wie ein Flächenbrand durchsetzte“, beschreibt Aaron Greenberg, Product Manager von Xbox Live, selbst das Phänomen. Obwohl sich hinter den Achievements eigentlich nicht mehr als ein hübsches Bildchen und ein paar Punkte für einen online vergleichbaren Highscore verbergen, hat sich rund um sie eine riesige Community gebildet. Im Internet finden sich so zahlreiche Websites, die sich mit dem Thema befassen (siehe Extrakasten): Spieler vergleichen ihre Ergebnisse, geben sich Tipps, oder machen sich Termine für Online-Matches aus, um gemeinsam an ihren GamerScores zu feilen. Ein Gemeinschaftsgefühl, das  Microsofts Konkurrenten Sony und Nintendo gar nicht oder nur bedingt bieten können. Zwar hätten beide Konzerne – aufgrund der späteren Veröffentlichungen von Wii und PS3 – die Möglichkeit gehabt, Ähnliches in ihre Konsolen zu integrieren, doch wurde darauf verzichtet. Eigentlich unverständlich, denn gerade bei Personen, die mehrere Spielkonsolen ihr Eigen nennen, gibt die Aussicht auf eine Steigerung des virtuellen Ruhms durch zusätzliche Gamerpoints oft den Ausschlag, sich ein Multiplattform-Game für die Xbox 360 statt für die Konkurrenz zu holen.


Xbox-Games können punkten!
Zwischen 200, bei Arcade-Games, und 1.000 Gamerpoints, bei Vollpreis-Spielen (bei den Xbox Originals geht man leider leer aus), warten in den meisten Xbox 360-Titeln – aufgeteilt auf eine von Spiel zu Spiel variierende Zahl zu erreichender Erolge (Avatar – Der Herr der Elemente: Die Erde brennt bietet beispielsweise nur fünf, während PGR 4 50 Achievements beinhaltet). Dabei gestalten sich die jeweiligen Anforderungen, die in den Spielen an euch gestellt werden, sehr unterschiedlich: Von der Absolvierung der Einsteigermission, über das Ausführen von speziellen Moves, bis hin zum Bestreiten einer Online-Partie – die Achievement-Voraussetzungen sind weit gefächert. So bekommt ihr etwa in Spider-Man 3 30 Gamerpoints dafür, dass ihr 25 freie Missionen in New York erledigt, aber auch ein paar Punkte, wenn Peter Parker 25 mal „den Asphalt küsst“. Über solche witzigen Achievements freuen sich zwar jene Gamer, die sich beim Schwingen durch die Stadt ungeschickt anstellen, trotzdem stehen die dafür vergebenen 20 Gamerpoints in keiner Relation zu denen, die es bei anderen Titeln für enorm schwere oder zeitaufwändige Aufgaben (man denke nur an das Flaggensuchen bei Assassin’s Creed) zu verdienen gibt. Vor allem bei Arcade-Titeln – aber auch in Vollpreisspielen – gibt es Aufgaben, an denen Gamer fast verzweifeln, nur um dann mit ein paar Pünktchen abgespeist zu werden. Dieses Ungleichgewicht zwischen hammerharten Hardcore-Titeln und extrem einfach verdienten 1.000 Points, wie sie oft bei Filmversoftungen (etwa TMNT) vorkommen, wird sich so schnell nicht ändern, hat aber mittlerweile dazu geführt, dass sich in der Szene jene Spiele herauskristallisiert haben, bei denen sich schnelle Gamerpoints holen lassen, und jene, von denen man lieber die Finger lässt (auch dazu findet ihr in den Extrakästen Informationen). Und so hat sich das Aufbessern des Gamerscores zu einem richtigen Sport entwickelt, bei dem es ähnliche Licht- und Schattenseiten gibt, wie beim realen Sport: Webseiten mit Gamerscore-Wettbewerben und Gamer-Communities stehen fanatischen Spielern gegenüber, die derart versessen auf die virtuellen Punkte sind, dass sie etwa Titel auf einer japanischen, einer europäischen und einer US-Konsole durchdaddeln, damit sie dreimal 1.000 Points kassieren können. Nicht zu vergessen jene Personen, die Spielfehler oder verpönte Cheats ausnutzen, um ihren Gamerscore in die Höhe zu treiben. Und wie ihr im diesbezüglichen Zusatzkasten lesen könnt, soll es sogar Besitzer einer Xbox 360 geben, die gar nicht selbst Hand an den Controller legen, sondern die Dienste spezieller Websites nutzen, um an Achievements zu gelangen.  

Wo bleibt der Spaß am Spiel?
Es ist bemerkenswert, wie eine simple Kombination aus Bildchen und Highscores, eine ganze Konsolengeneration in Aufruhr versetzen kann. Zwar haben Gamer schon immer ihre Punktestände miteinander verglichen, doch Microsofts Ansatz mit der geschickten Einbindung des Internets, der sich durch Einsatz der Fans etwas verselbstständigt hat, ist beispiellos und zukunftsweisend (man darf gespannt sein, ob Nintendo und Sony vielleicht doch noch mit einem ähnlichen Feature kontern). Obwohl das System – bis auf die Ausnahme „Old Spice Reward“ (siehe Kasten „Reale Preise für virtuelle Punkte?“) – nur ideellen Wert besitzt, ist die „Spieler-Community verrückt danach“, um es in den Worten von Aaron Greenberg auszudrücken. Trotzdem sollte man immer im Hinterkopf behalten, dass die Achievements eigentlich zusätzlicher Ansporn sein sollten, ein bereits durchgezocktes Game noch einmal einzulegen, um auch noch die letzten Geheimnisse herauszufinden. Denn, wenn die Spiele nur mehr auf die enthaltenen Gamerpoints reduziert werden, verkommt das Achievement-System zum Selbstzweck und der Spielspaß geht flöten – und das ist sicher nicht der Sinn der Sache. 

 


Wofür gibt es wie viele Punkte?
Für alle Anforderungen eines Retail-Games erhaltet ihr im Regelfall 1.000 Punkte. Es kann aber passieren, dass ihr nur 900 Points bekommt und der Rest auf kostenfreien Download-Content verteilt ist. Für einen Arcade-Titel gibt es standardmäßig nur 200 Achievement Points. Kostenpflichtige Downloads zu Games können euch aber zu mehr als 1.000 beziehungsweise 200 Points verhelfen: Microsoft hat im Jahr 2007 – im Zuge einer genauen Regelung des Gamerscore-Systems – festgelegt, dass die Anzahl der Gamepoints bei Arcade-Games durch gekaufte Zusatzinhalte um maximal 50 und bei Retail-Games um maximal 250 Punkte steigen darf. So etwa geschehen bei Gears of War: Neben neuen Maps warteten im Multiplayer-Add-on 250 neue Achievement Points auf euch.

Die Besten der Besten
Es dauerte bis Ende 2006, bis die 100.000 Punkte-Hürde geknackt wurde (dafür benötigte der amerikanische Zocker mit dem Nickname StripCluBDj über 112 Games und seine gesamte Freizeit), doch heute gibt es schon Xbox 360-Besitzer, deren Punktestände weit über 200.000 gehen. Natürlich wird in Anbetracht solcher Erfolge das Misstrauen der Xbox-Live-Community geweckt. Und tatsächlich: Manche Ergebnisse beruhen nicht nur auf Talent, sondern sind das Werk von Cheatern. Doch selbst nach Updates des Dashboards, die derartiges verhindern sollen, bleibt nicht auszuschließen, dass etwa mehrere Personen gemeinsam an einem Gamerscore arbeiten. Für genaue Infos und um einmal selbst zu sehen, wo man weltweit in der Gesamtwertung oder bei einzelnen Spielen steht, ist ein Besuch auf der Website www.mygamercard.net sehr zu empfehlen!


Welche Achievements in welchem Spiel?
Ihr wisst nicht, wie ihr ein bestimmtes Achievement erlangen könnt, oder habt nicht die geringste Ahnung, welche geheimen Achievements ein Titel in sich birgt? Der Lösung dieses Problems haben sich Websites wie  www.achieve360points.com oder www.xbox360achievements.org verschrieben. Dort findet ihr für fast alle Spiele genaue Übersichten, FAQs und Anleitungen, wie ihr an die begehrten Bildchen und Gamerpoints gelangt. Aber Achtung: Beim Durchklicken der Infos besteht große Gefahr, dass ihr euch selbst die Überraschung verderbt. 

Online-Challenges
Wenn es euch zu wenig ist, euch in Sachen Gamerscore nur mit Freunden zu messen, dann sind Websites wie www.360voice.com genau richtig für euch. Nicht nur, dass euch eure Xbox 360 dort im eigenen Blog darüber Aufschluss gibt, wie sie sich fühlt, ihr könnt auch an Online-Gamerscore-Duellen teilnehmen. Gewinner ist derjenige, der den größten Punkte-Zuwachs in einem festgelegten Zeitraum vorweisen kann. Äußerst praktisch ist dabei, dass eure Spieldaten automatisch von eurer Konsole zur Website übertragen werden und ihr euch um fast nichts mehr kümmern müsst – abgesehen vom Zocken natürlich.

 


Reale Preise für virtuelle Punkte?
Anfang 2007 initiierte das amerikanische Xbox-Live-Team gemeinsam mit dem Hersteller von Männerkosmetika Old Spice die Xbox Rewards. An diesem Belohnungsprogramm konnten alle Spieler, die älter als 13 Jahre waren und über eine gültige Xbox Live Mitgliedschaft mit Xbox Live Gamercard verfügten, teilnehmen. Wem es dann im Zeitraum zwischen dem 12. Februar und dem 12. April gelang, seinen Gamerscore um 1.500 Points zu steigern, der streifte einen Gewinn ein. Als Preise winkten Gamerpics und Microsoft Points – aber auch das Arcade-Game Contra und der Retail-Titel Fuzion Frenzy 2. Insgesamt wurden Gewinne im Gesamtwert von einer halben Million US-Dollar ausgegeben. Microsoft schloss bisher eine internationale Umsetzung dieses Versuchs nicht aus.

 

Hier geht es zum zweiten Teil von Microsofts Erfolg mit den Erfolgen