Resident Evil 6
Dieses Resident Evil möchte alles sein






Zu viel Action, zu viel Tageslicht, zu viele Muskeln an Chris – die Klagen der Fans über den 2009 erschienenen fünften Teil der ehemaligen Survival-, jetzt Action-Horror-Reihe waren so zahlreich, wie die Symptome eines mit dem T-Virus Infizierten. Und nach dem Trailer zu schließen, bleiben zumindest der hohe Arnold-Schwarzenegger-Action- sowie der fehlende Körperfett-Anteil von Herrn Redfield auch in der neuen Episode erhalten. Explosionen, Nahkampfmanöver, dynamische Schusswechsel und schnelle Kamerafahrten dominieren den ersten Trailer – vom klassischen Resident Evil-Design scheint wenig übrig, da fällt es schwer zu glauben, dass Capcom noch vor einiger Zeit laut über ein Reboot der Serie nachgedacht hat.

Antibiotika oder Anabolika?
Wenn sich der Anti-Bioterrorismus-Agent Chris Redfield in einer von Zombies überlaufenen chinesischen Metropole in Gears of War-Manier durch Horden von flüchtenden Zivilisten und verfolgenden Mutanten arbeitet, feindlich gesinnte Söldner (mit oder ohne fiese Symbionten im Körper?) mit einer kurierenden Bleispritze von ihrem Leid erlöst oder mit einem Panzer durch die Straßen braust, kann man sich gar nicht mehr vorstellen, dass der agile Kämpfer einst im Schneckentempo mit heute undenkbar träger Steuerung durch ein staubiges Herrenhaus geschlichen ist – selbst zu seinem Kampfgeschick in Teil fünf ist hier eine beachtliche Steigerung erkennbar. Kommen die Zombies zu nahe, kickt oder schlägt man sich den Weg frei, oder man macht einen Powerslide aus dem Sprint heraus, um leichte Gegner von den Beinen zu holen sowie schnell die Position zu wechseln. Besonders spektakulär fallen die Hechtsprünge zur Seite aus, bei denen man nach einer harten Landung sofort auf die Opponenten feuern kann. Dass diese Manöver nicht nur schön anzusehen, sondern auch spielerisch wichtig sind, zeigen die verschiedenen Zombiearten, gegen die es zu bestehen gilt. Vernichtende Keulenarme, zuschnappende Tentakel und schnellere, springende Untote fordern sicher ein Umdenken, wie man sich diesen Feinden gegenüber verhält.

Leon, kenn ich dich?
Dass aber nicht immer alles nigelnagelneu sein muss, dessen ist sich auch Capcom bewusst. Schon seit Jahren vermissen eingefleischte Fans der RE-Reihe den guten alten schlurfenden Zombie – und den bekommen sie jetzt wieder, sogar in tausendfacher Ausführung. Während Chris nämlich in China „Mutant süß-sauer“ bestellt, hat ein anderer Recke der Franchise – Leon S. Kennedy, der schon vor Justin Bieber dessen Emo-Frisur zum Hit machte – im Städchen Tall Oaks ganz andere, nur allzu bekannte Probleme. Als der Präsident, dessen Tochter Ashley im vierten RE-Teil von Leon gerettet wurde, dort in einer Konferenz die Welt über die Bedrohung des Bioterrorismus aufklären will, passiert das Unvorstellbare: ein zweites Raccoon City. Folglich muss sich der Sean Bean der Videospiele mit wenig Munition und alleine, aber auch in Begleitung (z.B. der hübschen Helena Harper) durch finstere Gassen, U-Bahn-Schächte und Kirchen aufmachen, um sich in Sicherheit zu bringen, Rätsel zu lösen und dabei die Verantwortlichen für den Anschlag aufspüren. Resident Evil in Reinkultur, wie wir hoffen.

Und du bist?
Das mit RE: Revelations etablierte Weggehen von einer Hauptfigur hin zu mehreren parallelen Handlungen, die sich jedoch im Spielverlauf überschneiden, hat es auch in Teil sechs geschafft, was sich auch auf das Gameplay auswirkt. Das Spiel wird in drei einzelne, unabhängige Kampagnen gegliedert sein. Jede dieser Kampagnen folgt der Handlung eines Charakter-Duos und verspricht eine eigene Facette des RE-Gameplays in den Vordergrund zu stellen. Leon und Helena verschlägt es ins Tall Oaks, wo sie von den klassischen Horror-Elementen der Serie heimgesucht werden. Für Chris Redfield und Piers Nivans geht es im chinesischen Lanshiang actionreich zur Sache, während der neue Charakter, der auch noch der Sohn des ehemaligen Bösewichts Wesker ist, Jake Muller mit Sherry Birkin im osteuropäischen Staat Edonia gegen die Zombies-Plage kämpft. Da sein Blut offenbar eine Resistenz gegen die gefürchteten Waffen der Bioterroristen entwickelt hat, ist er auf der Flucht und fightet sich agiler als alle anderen mit Nahkampfangriffen vorbei an menschlichen und mutierten Gefahren. Dabei muss er schon mal den einen oder anderen knochenbrecherischen Sprung wagen oder sich in einem zusammenkrachenden Haus ein Handgemenge mit einem Riesenmonster liefern. Die drei Kampagnen können alleine oder im Koop (online und offline) in beliebiger Reihenfolge gespielt werden, wobei Capcom dazu rät mit der Leon-Kampagne zu beginnen.






